OBVIAM EST, choreographic theatre
 
 

"Kindheit und andere Grausamkeiten"

[c] Jean Siegenthaler


Gibt es Ihrer nicht so viele? Die kleinen alltäglichen „Grausamkeiten“ – die emotionalen Erpressungen, Abhängigkeiten – irgend jemand der nur unser „Bestes“ will – die kleinen Sticheleien und Witze, die immer des Pudels Kern beinhalten? Und fangen Sie nicht schon an, wenn die Eltern alles anders und natürlich besser als die eigenen Eltern machen wollen – geht es nicht weiter, beim ersten Haustier, dem geliebten Hamster, der in seinem kurzen Leben allerlei Kinderliebe zu erleiden hat und hört auf, beim Pinscher der alleinstehenden älteren Dame von nebenan, der bei jedem Kaffee einen Keks bekommt und schliesslich mit Arteriensklerose und Leberverfettung dahinvegetiert – der liebe kleine Kerl....? Ist es grausamer die Wahrheit zu hören oder mit der ewigen Lüge zu leben? Schonen wir die anderen oder nur uns selbst? Eine Junge Frau hat Angst sich beim Zugfahren an die Rückenlehne des Sitzes zu lehnen – in ihrer Kindheit hörte sie immer wieder die Erklärung ihrer grösseren Schwester: „Da kriegt man Läuse“. Ein Mann hat Angst beim Kaffee zu sagen, er hätte Lust auf ein weiteres Stück Torte, seine Eltern haben ihm immer wieder erklärt: „Das gehört sich nicht!“ ... - ist es einfacher Agression und Wut zu verdrängen oder zu schauen, wo sie denn herkommen?

...die kleinen Grausamkeiten des Alltags, die Ermahnungen, die uns aus unserer Kindheit bis heute verfolgen und die grossen Grausamkeiten in der Welt… Ist der Übergang fliessend oder eher subtil? Ist Blindheit wirklich der beste Schutz vor Angst? Lohnt es sich die Kindheit aus dem Gefängnis der Verdrängung zu befreien – um sich entweder der Ohnmacht oder eher dem eigenen freien gestalterischen Willen zu stellen......?

"Jedes absurde Verhalten hat seine Vorgeschichte in der frühen Kindheit (...)"
[ Alice Miller in "Am Anfang war Erziehung" ]

OBVIAM EST möchte mit einem Augenzwinkern und nicht zu tierischem Ernst, anregen und vielleicht Mut zum zum Überprüfen machen: „Hups, geht es mir den auch so?“
Mittel ist das choreographische Theater, mit seiner spezifischen Form der Verknüpfung einzelner Bilder zu einer Gesamtaussage. Das choreographische Theater von OBVIAM EST findet sich genau in der innovativen Nische zwischen Tanz und Theater. Die DarstellerInnen setzten ihr gesamtes expressives Potenzial ein; Tanz, Gesang, Sprache, Geste, Puppen- und Schauspiel werden zu einem Einblick in die kleinen Seelengeheimnisse, die wir alle ängstlich und doch so sorgsam behütet mit uns herumtragen.

Obwohl die einzelnen Szenen de facto Dokumente von Realität sind, verweigern sie weitgehend die Bestimmung von Zeit und Raum. Diese bewussten „Auslassungen“ bieten dem Zuschauer Raum für die „Realisierung“ eigener Assoziationen, die nicht von der Bühnensituation diktiert, sondern vom Choreographen/Regisseur konzipiert wurden.
Innen und Aussen, Nähe und Ferne – polare Fixpunkte einer Konzeption.
Die irritierende Spannung zwischen einer sensibel konzipierten Ästhetik der Komposition und dem betont distanziert vorgetragenen Sachgehalt der Darstellungen – kurz zwischen Schönheit und Sachlichkeit – führt zu einer Sensibilisierung gegenüber der Wahrnehmung der Welt. Das Bühnengeschehen verweist auf die Nähe von Realität und Abstraktion, die sich mitunter lediglich in der Art und Weise des Sehens voneinander unterscheiden.

 

OBVIAM EST, [c] Annamaria Frasca
Première am 30. September 2005 im Festival "Il gatto che danza", Ascona/CH.

 

Die Arbeit zu diesem Stück basiert unter anderem auf Texten, Artikeln und Interviews von Alice Miller - siehe auch www.alice-miller.com

Das Stück wurde vom Eidgenössischen Department für auswertige Angelegenheiten 2006 als eines von 20 exportgeeigneten Werken von 84 Werken der Gesamtschweiz empfohlen.

 

Presse- und Zuschauerstimmen

"Siders/ Am Freitag dem 7.Oktober 2005 wurde 400 Schülern der Handelsmittelschule Siders ein etwas spezielleres Theaterstück gezeigt. Es sollte nicht nur unterhalten sondern auch zum Nachdenken anregen.
Eie fünfköpfige Artistencrew gewährte dem Schüler einen Einblick in ihre Kindheit. Vom Teddybären, der die Geschichte vom Rotkäppchen erzählte, bis hin zu den verschiedenen Schulstrafen in Taiwan konnte man alles in vielen Sprachen, verschiedenen Tänzen und impulsiver Musik miterleben.

Ein Blick hinter die Bühne
Der Choreograph und Regisseur Martin M. Bartelt versuchte die Zuschauer daran zu erinnern wie es war, Kind zu sein. Mit Schauspielern aus aller Welt gelang es ihm viele der Zuschauer zurück zu versetzen.
Er habe seine Schauspieler nicht nur nach Talent sondern auch wegen ihrer Menschlichkeit ausgesucht und so ist es ihnen gelungen die Zuschauer mitzureissen.

Auftritt vor Jugendlichen
Der Schauspieler Sebastian Fischer sagte nach dem Auftritt vor den Schülern der Handels-mittelschule, es sei immer spannend vor Jugendlichen zu spielen, denn man merke sofort, wenn sie vom Stück gefesselt seien und wenn sie das Interesse an einer Szene verlieren. So müsse man sich darauf konzentrieren die Schüler wieder in den Bann des Stücks zur reissen.
Alles in allem war es ein gelungenes Stück und hat viele verleitet sich an die eigene Kindheit zu erinnern, an die schönen und an die grausamen Dinge.
[ von Isabelle Schnyder und Markus Pianzola - Schülerarbeit der Handelsmittelschule Siders]

(...) es ist selten, dass ich mich ernstgenommen fühle, in Eurer Vorstellung habe ich mich ernstgenommen gefühlt! (...) [Patricia Colombier, e-mail]

(...) vielen Dank für Deine und Eure ausgezeichnete Aufführung. Ich habe sie empfunden wie ein gutes Bild oder ein gelungenes Buch, eine Art Meilenstein in einem tiefgreifenden Wachstumsprozess. Ich finde das sehr mutig und sehr, sehr kostbar.(...) [Johanna Hupfer, e-mail]

(...) unpretenziös, wach und berührend (...) [Franco Guerini, e-mail]

(...) frisch und mit grosser Tiefe (...) [Marco Varga, e-mail]

(...) Obviam Est bringt den Zuschauer in Kontakt mit dem Echo seiner Erlebnisse (...)
[Tessiner Zeitung, Nov. 2005]

 


OBVIAM EST, "Kindheit und andere Grausamkeiten", [c] Annamaria Frasca

 

Details [ factsheet ]

Fotoalbum [Fotos von Myriam Luisier]

Chinesisches pdf [auf chinesisch über "Kindheit und andere Grausamkeiten" - 277 KB]]

 

Video-Trailer: http://livinspirits.ch/showcase_kindheit